Schweizer Nationalbank profitiert von aktueller Euroentwicklung

Die Schweizer Nationalbank profitiert offenbar von Euroankäufen:
Sie hatte am 6. September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken pro Euro festgelegt, um die Schweizer Wirtschaft vor einer deflationären Entwicklung zu schützen.
In diesem Zusammenhang hatte die SNB angekündigt, „notfalls unbeschränkt Devisen zu kaufen“.

Der Aktienmarkt in der Schweiz profitierte damals unmittelbar von der Abschwächung der eigenen Währung, da Exporte deutlich an Attraktivität zunahmen.
Nun nutzt die Schweizer Nationalbank den erstarkten Euro um sich von angekauften, vornehmlich deutschen und französischen Staatsanleihen gewinnbringend zu trennen.

Für dieses Verhalten erntete die SNB nun von der Ratingagentur Standard&Poor’s Kritik, da hiermit die Renditen der Staatsanleihen stabiler Euro-Länder gedrückt, und das Zinsgefälle zum geschwächten Südeuropa ausgeweitet würde. Diese Vorgehensweise wirke dem Bemühen der Europäischen Zentralbank um ein einheitliches Zinsniveau entgegen. Die Schweizer Notenbank dementierte allerdings diese Analyse.

Es sei zur Kenntnis zu nehmen, dass die Einlagen bei anderen Notenbanken sowie internationalen Institutionen ebenfalls erhöht worden seien, hieß es.

EZB prüft Anleihenkaufprogramm

Das umstrittene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank wird derzeit intern von Juristen geprüft. Sowohl bei der EZB als auch bei der Bundesbank gäbe es bezüglich des angekündigten Programms, welches im Notfall den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen vorsieht, Zweifel. Die Notenbanken wollten sich für die Eventualität einer Klärung der Rechtslage vor dem Europäischen Gerichtshof juristisch wappnen, schrieb die „Bild“-Zeitung.

Hatte EZB-Präsident Mario Draghi noch versichert, dass man sich Mandats-konform verhalte, äußerte sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritischer und lehnte das Programm ab, da diese Vorgehensweise zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse läge.
Weiterhin äußerte er Bedenken, die Geldpolitik könne damit ins Schlepptau der Fiskalpolitik geraten. Unterstützung erhielt Weidmann von dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).
BDI-Präsident Hans-Peter Keil warnte vor einem zu schnellen Zurückgreifen auf Anleihekäufe durch die EZB und appellierte erst einmal die Wirkung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) abzuwarten.